Innovation Inside Pharma 2026: Wie die Schweiz ihre Spitzenposition in der Life-Science-Welt verteidigt


Der Standort Rotkreuz steht wie kaum ein anderer für das Zuger Life-Science-Ökosystem. Das Technologie Forum Zug hiess über 100 Branchenvertreter, Behörden und Deep-Tech-Pioniere im Hause Amgen willkommen. Es wurde schnell klar: Die Schweizer Pharma- und Biotech-Landschaft steht vor entscheidenden Weichenstellungen. Unter dem Leitthema «Life-Science Standort Schweiz: Exzellenz sichern oder Erosion zulassen?» bot der Event einen ungeschönten Blick auf globale Bedrohungen, aber auch auf das gigantische Potenzial heimischer Innovationen.

Der globale Druck auf das Schweizer Erfolgsmodell

In seiner Eröffnungs-Keynote zeichnete Dr. René Buholzer (CEO Interpharma) ein klares Bild der geopolitischen Realität: Während China bei Innovationen das Tempo drastisch erhöht, gerät die Schweiz von mehreren Seiten unter Druck. Vor allem die USA verknüpfen Arzneimittelpreise, Handelsbeziehungen und Standortentscheide völlig neu. Für ein Land, das jährlich 9 Milliarden Franken in R&D investiert, steht viel auf dem Spiel. Buholzer stellte klar: Gesundheitspolitik ist heute Geopolitik. Um die Exzellenz nicht zu verlieren, braucht die Schweiz praxistaugliche Kriterien bei Preisvergleichen, einen angemessen honorierten Nutzen von Innovationen und vor allem einen «Tag 0»-Zugang für Patienten zu neuen Therapien.

 

Wie der Schritt von der Wissenschaft in die Praxis gelingen kann, zeigte Dr. Simon Ittig (CEO T3 Pharma). Er verglich den Weg von der Basler Grundlagenforschung bis zum Milliarden-Exit mit Boehringer Ingelheim mit einer anspruchsvollen Bergwanderung. Sein Appell: Der Sprung ins Unternehmertum ist in der Schweiz noch immer mit zu hohen Risiken verbunden. Es brauche gestärkte Frühphasen-Förderungen wie Innosuisse-Projekte und mehr Schweizer Wagniskapital, damit Start-ups nicht nur entstehen, sondern auch im Land skalieren können.

Dass die Schweiz trotz allem eine enorme Strahlkraft besitzt, bewies Amer-Denis Akkad (Absci). Der US-Pionier für KI-gestützte Antikörperentwicklung wählte Zug bewusst für seine globale Expansion: Ausschlaggebend waren der Zugang zu weltweiten Top-Talenten, die Nähe zu wichtigen Pharma-Partnern und das extrem stabile, wirtschaftsfreundliche Umfeld.

Technologie als Schlüssel: Länger und gesünder leben

Die anschliessenden Impulse machten deutlich, wie Technologie das gesamte Gesundheitssystem verändert – von der Forschung bis zur Patientenversorgung. Samantha Paoletti (CSEM) und Jonas Goldowsky (Visienco) schnitten ein zentrales gesellschaftliches Problem an: Obwohl die Menschen in der Schweiz fast 81 Jahre alt werden, leben sie im Schnitt über 15 Jahre davon mit chronischen Krankheiten. Smarte Automation und Miniorgane (Organoide) sind der Schlüssel, um Medikamente schneller, günstiger und ohne Tierversuche zu entwickeln und so die gesunden Lebensjahre zu steigern.

Ergänzt wurde dieser Tech-Blick durch etablierte Branchengrössen: Dr. Adrian Kinzel (Novocure) demonstrierte, wie elektrische Felder (TTFields) Krebszellen gezielt bekämpfen, während Marco De Lorenzo (SAP) aufzeigte, wie datengestützte Prozesse die globale Wertschöpfungskette der Life Sciences krisenfest machen.

Start-up-Impulse: Wenn Innovation Patientenleben verändert

Wie radikal und lösungsorientiert die nächste Generation von Medtech- und Biotech-Unternehmen denkt, bewiesen zwei beeindruckende Start-ups:

TransHeps: CEO Martin Birk zeigte, wie ihr neuer Ansatz die Ursachen von Leberschäden in klinischen Studien eindeutig aufklärt. Da Toxizität einer der teuersten Gründe für das Scheitern von Medikamenten ist, verhindert TransHeps, dass vielversprechende Wirkstoffe fälschlicherweise gestoppt werden.

ONWARD Medical: Julien Camisani präsentierte wegweisende Neurotechnologie, die gelähmten Menschen nach Rückenmarksverletzungen durch gezielte Rückenmarks-Stimulation und Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) die Bewegungsfähigkeit und Autonomie zurückgibt.

Kontrovers im Detail, einig im Ziel: Die Standort-Debatte

Den Höhepunkt der vom Technologie Forum Zug organisierten Tagung bildete die Podiumsdiskussion, in der unterschiedliche Perspektiven aufeinandertrafen: Nationalrat Thomas Aeschi, PD Dr. Prabitha Urwyler (InnoSuisse), Dr. René P. Buholzer (Interpharma) und Dr. Simon Ittig (T3 Pharma) debattierten intensiv über die Brücke zwischen Innovation, Politik und Versorgung.

Trotz unterschiedlicher Ansichten in der Ausgestaltung herrschte am Ende ein starker Konsens: Die Schweiz lebt von ihrer Innovationskraft. Damit diese Spitzenmedizin und Deep-Tech-Pipeline nicht ins Ausland abwandert, müssen Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft an einem Strang ziehen. Nur wenn wir Rahmenbedingungen schaffen, in denen Start-ups hiesig skalieren können und Innovationen im Gesundheitssystem schnell beim Patienten ankommen, bleibt der Standort Schweiz das, was er heute ist: die globale Wiege der Life-Science-Exzellenz.

 

Herzlichen Dank an unseren Kooperationspartner Interpharma, die Gemeinde Risch, unseren Technologiepartner CSEM, unseren Gastgeber Amgen unseren Eventsponsor Altorfer Engineering GmbH, alle Referentinnen und Referenten sowie allen Gästen – für einen Nachmittag voller spannender Gespräche in der tfz Community.