Wenn Künstliche Intelligenz Ernten steuert, Bauteile vor ihrem eigenen Ausfall warnen und Sprachmodelle mit überraschender emotionaler Intelligenz verblüffen, drängt sich eine fundamentale Frage auf: Wie viel von unserer Welt ist morgen eigentlich noch überraschend? Unter dem vielsagenden Motto «Predictive World – the Impact» verwandelte sich das Siemens Inspiration and Convention Center am 15. September 2026 in ein Zentrum für Perspektiven aus Technologie, Zukunftsforschung und Philosophie. Über 200 Führungskräfte, Vordenkerinnen und Tech-Pioniere der Region tauchten gemeinsam in die Frage ein, wie wir eine Welt gestalten, die sich immer präziser berechnen lässt.
Der Auftakt vor dem Event war die Verleihung des Zuger Innovationspreises 2026. Die mit CHF 10'000 dotierte Auszeichnung wird vom Regierungsrat des Kantons Zug vergeben. In diesem Jahr ging sie an die Novocure GmbH in Baar. Andreas Conne, Generalsekretär der Volkswirtschaftsdirektion und Sekretär der Jury Innovationspreis, überreichte die Auszeichnung persönlich.
The award went to “Optune Gio,” a wearable, non-invasive medical device for the treatment of brain tumors. The TTFields therapy, developed by Novocure, uses alternating electric fields to disrupt the division of cancer cells. On stage, Marco Carrino, Vice President of Global Markets at Novocure, presented the innovation. As Andreas Conne and Albina Begic, Managing Director of the Technology Forum Zug, explained during the on-stage discussion, the Zug Innovation Award—which has been presented since 1993—honors companies that achieve market success with innovative ideas, create or secure jobs, and demonstrate promising development potential.
Wie massiv Daten und Prognosen unseren Alltag bereits verändern, beleuchteten anschliessend zwei herausragende Persönlichkeiten aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln. Georges T. Roos, einer der führenden Zukunftsforscher der Schweiz, nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die fünf grossen Transformationen unserer Zeit. Er beleuchtete die demografischen, ökologischen, geopolitischen, bio-technologischen und digitalen Umbrüche. Für ein Raunen im Saal sorgte vor allem sein Blick auf die KI-Entwicklung: Heutige Sprachmodelle schneiden in Tests zur emotionalen Intelligenz bereits um 44 Prozent besser ab als der Durchschnittsmensch und erzählen stellenweise sogar die besseren Witze.
Den packenden Gegenpol setzte der prominente Schweizer Philosoph Yves Bossart. In absoluter Stille im Saal hinterfragte er unseren tiefen Drang, das Leben lückenlos kontrollieren zu wollen. Mit Verweis auf den Soziologen Hartmut Rosa erinnerte er daran, dass der eigentliche Zauber oft im Unverfügbaren liegt. Es gebe keine Gewissheiten, und das sei auch gut so. Echte Transformation entstehe nicht durch Algorithmen, sondern dort, wo Resonanz, emotionale Berührung und echte menschliche Begegnung passieren.
Dass die Wirtschaft das Prinzip der Vorhersehbarkeit längst praxistauglich nutzt, bewiesen die rasanten InnoTag Sprints. In drei Blöcken pitchten 15 Unternehmen ihre Projekte auf der Hauptbühne, strikt getaktet auf jeweils 90 Sekunden:
Die Energie im Raum war greifbar, denn der schnelle Takt ermöglichte den Gästen einen inspirierenden Einblick über die Bandbreite der Innovationen.
In der anschliessenden Thesen-Arena trafen die unterschiedlichen Erfahrungswelten direkt aufeinander. Das Publikum reichte im Vorfeld beeindruckende 53 Thesen ein. Auf der Bühne diskutierten Georges T. Roos, Yves Bossart und der erfahrene CEO Ralph Hamers kontroverse Hypothesen. Im Fokus stand unter anderem die Frage, ob die nächste Generation überhaupt noch lernt, digitale Welten aktiv zu gestalten, oder ob sie lediglich darin funktioniert. Hamers brachte dabei seine Perspektive aus der Führung globaler Konzerne ein, während Bossart die philosophische Sicht und jene aus seiner Arbeit mit Jugendlichen am Gymnasium einfloss.
Der Übergang zum Netzwerkteil verlagerte sich auf die Leinwand: In einem unterhaltsamen Video-Duell forderten sich Stadtpräsident André Wicki und Caroline-Isabelle Steiger, Gründerin des Start-ups Fashion Genius, gegenseitig heraus. Die Kernfrage war, wer die Zukunft treffsicherer voraussagen kann. Wicki löste die Szene mit einer zentralen Botschaft auf. Niemand kenne die Zukunft im Detail. Doch statt zu versuchen, sie perfekt vorherzusagen, gehe es darum, sie aktiv anzupacken. Genau diese Gestalterinnen und Gestalter sässen an diesem Abend im Raum.
Beim anschliessenden Netzwerk-Apéro verwandelte sich das Foyer in einen lebendigen Marktplatz. An den Ständen der ID:Zug (Innovation Desk: Zug) konnten die Teilnehmenden Prototypen der Sprinter direkt begutachten und vertiefende Gespräche führen. Ein besonderer Magnet war der Impact Space. Die HSLU machte dort die Stadt der Zukunft erlebbar, während die ETH Zürich philosophische Gespräche mit einem interaktiven Digital Einstein ermöglichte. Zudem öffnete Siemens seinen Experience Room und liess die Gäste mit allen Sinnen in moderne Gebäudetechnologie eintauchen.
Ein Anlass dieser Grösse ist nur dank starker Rückendeckung möglich. Das Technologie Forum Zug bedankt sich herzlich bei tfz Enablerin Zuger Kantonalbank, dem tfz Technologiepartner CSEM, dem tfz Developer Jörg Lienert AG, dem Event-Hauptsponsor Stadt Zug, den Sponsoren ITZ, Digital & AI Community und Kanton Zug sowie dem Host Siemens und den Ressourcensponsoren Hegglin Group AG und ConSol. Der Zuger Innovationstag 2026 hat eindrücklich bewiesen, dass Zug nicht nur über die Zukunft redet, sondern sie aktiv baut.